Die Malerlandschaft
Das Gebiet östlich von Rom zwischen Tivoli,
Palestrina und Subiaco war im frühen 19.Jahrhundert ein Eldorado
der romantischen Landschaftsmaler. Mehr als 200 Künstler vor allem
aus Deutschland, aber auch aus vielen anderen europäischen
Ländern, hielten sich im Lauf der Zeit allein in dem Dorf Olevano
Romano auf. Die Menge der hier angefertigten Veduten, Zeichnungen,
Stiche und Gemälde ist unüberschaubar. Der Maler Franz Horny
schrieb 1817: "Dies ist ein wahres Zauberland, gewiß einer der
schönsten und bedeutendsten Punkte Italiens... Überhaupt ist
die ganze Gegend dort so fantastisch, daß man es in Deutschland
gar nicht glauben würde, wenn man Zeichnungen davon sähe."
Ludwig Richter sprach von "überwältigender Schönheit",
der Maler Louis Mayer von einer "der schönsten Gegenden Italiens
im Innern des Landes."
Die Landschaftseindrücke der romantischen Maler
kann man in diesem Gebiet noch immer nachvollziehen, obwohl die alten
Dörfer heute zum Teil von häßlichen Neubauten umgeben
sind. Ich habe hier vor rund fünfzehn Jahren einige meiner
schönsten Italien-Wanderungen durchgeführt und damals in dem
inzwischen vergriffenen Band Richtig wandern - Toscana und Latium
(DuMont Verlag) vorgestellt. Inzwischen sind
allerdings die alten Wege zum Teil nicht mehr passierbar, zum Teil auch
neu asphaltiert. Dennoch kann ich nur empfehlen, hier Fußtouren
auszuprobieren - auch wenn man vielleicht nicht zum Ziel kommt, weil
sich der Weg irgendwo verliert. Denn nur zu Fuß kann man diese
Landschaft erleben, aus dem Auto ist ihr Reiz nicht zu erfassen.
Wer sich nicht verlaufen will, folgt am besten den
aktuellen Wegbeschreibungen von Ursula und Claus-Günter Frank im
Wanderführer Rom-Latium (Rother Verlag) (Wege 33-36).
Ergänzend noch drei weitere Tipps, die allerdings aus alten Zeiten
stammen und deswegen mit Vorsicht zu genießen sind:
- Von Palestrina führt am oberen Ortsrand
ein Maultierweg in 45 min aufwärts nach Castel San Pietro
Romano. Von hier kann man über steinige karge Hänge rund
drei Stunden weiterwandern (zunächst rechts von der Straße,
später links von ihr z.T. querfeldein steil ansteigen) in das auf
915 m Höhe gelegene Capranica Prenestina. Herrliche
Aussicht!
In Palestrina schrieb Thomas Mann Teile der "Buddenbrooks"; unbedingt
sehenswert sind die Reste des römischen Fortuna-Tempels und das
Nilmosaik im Museum.
- Zwischen San Vito Romano, Bellegra und Olevano
Romano trifft man überall auf die Motive der romantischen
Maler. Von San Vito Romano kann man sich, z.T. auf schmalen Pfaden, in
vier bis fünf Stunden bis Olevano Romano durchschlagen - der Weg
ist aber nur mit viel Glück und Gespür zu finden!
- Subiaco-Ienne. Gut dreistündige Wanderung
zu den Benediktinerklöstern von Subiaco und im Tal des Aniene, am
Schluß mit einem Anstieg zum einsamen Bergdorf Ienne. Leider sind
etwa 4 km des Weges asphaltiert. Wegbeschreibung hier.
Karten: Den größten Teil der
Malerlandschaft deckt die Neuausgabe einer topografischen Karte des
Istituto Geografico Militare (IGM) im Maßstab 1:50 000 ab :
Nr. 376 Subiaco. Bestelladressen hier.
Tivoli und Palestrina sind darauf allerdings nicht erfaßt,
für diese Orte muß man sich mit der alten topografischen
Karte 1:100 000 behelfen.
Literatur: Ausführlich befaßt sich
mit Kulturgeschichte und Kunst des Gebiets mein
DuMont-Kunstreiseführer Latium (2.Aufl. 2004).
Unterkunft: In den meisten Dörfern gibt es
ordentliche Hotels. Z.B. in Olevano Romano: Il Boschetto*, Tel.
069 564 025, Fax 069 562 562; in Genazzano:
Cremona***, Tel. 069 579 603, Fax 069 578 234; in
Roiate: Mafalda*, Tel. 069 569 013 (sehr einfach, mit nettem
Dorfrestaurant); in Subiaco: Miramonti***, Tel./Fax
077 483 243
Öffentliche Verkehrsmittel: Häufige
Busverbindungen aus den Dörfern des Gebiets nach Rom.
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