Grande Anello dei Sibillini

Ein wunderschöner Fernwanderweg in den Monti Sibillini, hervorragend markiert, mit guter Streckenführung. In neun Etappen führt er als Rundweg am Rand des Gebirges entlang, meist in Höhenlagen zwischen 600 und 1500  m. Gut trainierte Wanderer können die Tour in fünfeinhalb Tagen zurücklegen..

Wanderkarte: Unbedingt notwendig für die Tour  ist die ausgezeichnete Karte  "Parco Nazionale dei Monti Sibillini" 1:25 000 (SER Folignano, in Deutschland erhältlich für 13,90 € bei www.karten-schrieb.de). Zusammen mit den sehr guten Markierungen reicht sie ohne weitere Wegbeschreibung für die Orientierung aus.
Streckenführung: Die Broschüren und die Website des Nationalparks (www.sibillini.net/chiedi_sibilla/gas/) schlagen vor, die Wanderung in neun Etappen durchzuführen. Praktisch ist das nicht sinnvoll. Erstens sind einige Etappen  für eine Tagestour zu kurz. Zweitens existieren bisher nicht an allen vorgeschlagenen Etappenzielen Unterkünfte.  Mir scheint am sinnvollsten eine Aufteilung auf sechs oder sieben Tagestouren: 1.-3.Tag Visso - Fiastra - Rifugio Città di Amandola - Montemonaco (die lange Tour Visso-Fiastra kann man auch auf zwei Tage verteilen), 4.-6.Tag Montemonaco - Forca di Presta - Campi Vecchio - Visso oder 4.-7.Tag Montemonaco - Colle - Colle le Cese - Campi Vecchio - Visso. Die letzte Etappe Campi-Visso ist eine Halbtagestour. Alternativ kann man die Wanderungeauch in Norcia oder Montemonaco beginnen. Vorschläge zur Einteilung der Etappen und nähere Hinweise zu den einzelnen Touren gebe ich unten auf dieser Seite.
Unterkunft:  Die Nationalparkverwaltung plant, an allen Etappenzielen eigene Unterkünfte zu errichten. Bisher existieren solche Wanderherbergen  in Cupi, Fiastra, Garulla, Colle, Colle le Cese und Campi. Die Preise sind günstig, es gibt normalerweise außer Schlafsälen auch Doppelzimmer. Außerdem stehen an der Strecke in einigen Orten Hotels (in Visso, Fiastra, Pintura di Bolognola, Montefortino - Ambro, Montemonaco, Forca Canapine) sowie Berghütten (zwischen Pintura di Bolognola und Piedivalle, an der Forca di Presta und an der Forca Canapine).    Alle Hütten stellen Bettwäsche und, soweit nötig, Leinenschlafsäcke zur Verfügung - man braucht also keinen eigenen Schlafsack mitzunehmen.
Unterkünfte unbedingt am Tag vorher telefonisch reservieren, vor allem die Rifugi sind außerhalb der Ferien oft nur am Wochenende geöffnet, die Wirte öffnen aber auf Anfrage!
Der Nationalpark hat eine Liste aller Unterkünfte am Weg (www.sibillini.net/chiedi_sibilla/sentieri/gas/ricettivita.htm) ins Netz gestellt. Die Orientierung auf der Seite ist nicht ganz einfach: Unter "ricettività sul Grande Anello" stehen Unterkünfte direkt an der Strecke, "ricettività in prossimità del Grande Anello" bedeutet: nicht direkt am Weg, aber von dort zu Fuß erreichbar. Für die Adressen und Telefonnummern muss man oben auf der Seite auf "alloggiare in..." klicken. Wanderherbergen und Berghütten findet man dort unter "rifugi gestiti". (Dabei stehen das Rifugio Cupi unter "Visso", das Rifugio Città di Amandola unter "Amandola", das Rifugio Colle unter "Montegallo", das Rifugio Forca di Presta unter "Arquata del Tronto", die Rifugi an der Forca Canapine und das Rifugio Campi unter "Norcia".)
Trinkwasser: kein Problem, überall am Weg finden sich Quellen und Brunnen. Das Wasser ist immer trinkbar, sofern nicht ausdrücklich "non potabile" dransteht"
Proviant: Etwas komplizierter. Direkt am Weg gibt es nur wenige Ortschaften mit Lebensmittelgeschäften, daher muss man die Mittagsverpflegung meist für einige Tage im voraus planen. Einkaufen kann man nur in Visso, Fiastra und Montemonaco (etwa 30 Min. abseits der Wanderstrecke). Abends bekommt man  in allen Unterkünften warmes Essen, und manche Hütten verkaufen belegte Brote, Wurst oder Käse.
Bargeld: Unbedingt genug mitnehmen, Geldautomaten gibt es nur in Visso und Fiastra und die kleinen Trattorien, Rifugi und Alberghi am Wege akzeptieren meist keine Kreditkarten.
Jahreszeit: Mitte Mai bis Mitte Oktober. Am schönsten ist die Wanderung während der Blütezeit (normalerweise Mitte Mai bis Mitte Jun)i. In manchen Jahren liegt allerdings in Höhenlagen über 1500 m bis Ende Mai noch Schnee.  Im Juli und vor allem August sollte man die Unterkunft unbedingt vorbestellen. In diesen Monaten kann es in niedrigeren Höhenlagen (unter 1000 m) recht heiß werden.
An- und Abreise: Gute Busverbindungen von Rom nach Visso und Norcia (ab Bhf. Roma-Tiburtina, nach Visso werktags 11.40 Uhr, an 15. Uhr, zurück werktags 16.35 Uhr, rund 3.30 Std. Fahrzeit; nach Norcia tägl. 7.30, werktags 15.30 Uhr, zurück werktags 7.35 und 15.35, sonntags 16.35 Uhr, Fahrzeit 3 Std. Weitere Verbindungen nach Visso: mit dem Zug bis Terni, von dort Bus ab 18.40, an 20 Uhr, oder mit dem Zug bis Foligno, von dort Bus ab 15.10, an 16.45 Uhr, Umsteigen in La Maddalena). Fahrplanauskünfte auf www.contram.it, Tel. 800 037 737 (Visso) und www.spoletina.it ,Tel. 0743 212 209 (Norcia). Ebenfalls gut erreichbar sind Montemonaco und Amandola, die am Ostrand der Sibillini nah an der Wanderstrecke liegen: Täglich 8 und 14.30 Uhr direkte Busse ab Rom (ab Viale Castro Pretorio 84, Metro-Station Castro Pretorio, 10 Fußminuten vom Bhf. Termini), Fahrzeit  4 bzw. 4.40 Std., Auskunft unter www.startspa.it, Tel. 800 443 040 und 06 446 0567.)
GPS: Ebenfalls auf der Nationalpark-Website  findet man GPS-Daten und Karten zum Herunterladen (www.sibillini.net/il_parco/gps/index.html).
Weitere Informationen: Der Weg wird ausführlich beschrieben in dem Wanderführer von Gillian Price: Italy's Sibillini National Park, Cicerone Guide 2009, 15,99 Euro, erhältlich u.a. bei Amazon. Das Buch ist aber nicht unbedingt notwendig, Wegmarkierungen und SER-Karte (s.oben) reichen zur Orientierung völlig aus.

Vorschläge und Hinweise zu den Etappen:

1.Tag: Visso - Fiastra
Sehr langer Wandertag mit kräftigen Anstiegen (gut 6.30 Std. Gehzeit, 1150 Höhenmeter Anstieg). Man kann das Ganze auch auf zwei Etappen aufteilen, die sind dann allerdings für Tagestouren recht kurz (Visso-Cupi 4 Std., 750 m Anstieg; Übernachtung in der Wanderherberge Cupi, Tel. mobil 328 648 957, info@asgaia.it; Cupi - Fiastra 3 Std., 400 m Anstieg). Visso ist ein hübsches Bergstädtchen (Übernachtung im Hotel Elena, Tel. 0737 95321, www.hotelristorantelena.com oder bei Zimmervermietung Due Torri, Tel. 0737 95403), Fiastra ein Dorf am gleichnamigen, schön gelegenen Stausee. Auf der SER-Karte ist nur die Variante über Cupi eingezeichnet, wo sich eine Herberge des Nationalparks befindet. Wenn man direkt nach Fiastra wandert, folgt man 2 km vor Cupi - hinter Fonte Cordagnolo -  der Beschilderung Richtung Fiastra und trifft oberhalb der Costa di Tranquilla (bei Höhe 1350) wieder auf den eingezeichneten Weg.  Das erste Haus von Fiastra ist die Wanderherberge "Tribbio" (Tel. 0737 527 07, alcina@libero.it). Wenn man noch abends Proviant einkaufen will, muss man von hier nochmal eine gute halbe Stunde Fussweg ins Dorfzentrum und wieder zurück wandern - vielleicht nicht das Ideale nach der langen Tagestour. Den zusätzlichen Weg vermeidet man, wenn man in einem der beiden Hotels im Ort übernachtet, 15 min weiter unten. In der an sich sympathischen Osteria del Lago direkt am See (Tel. 0737 52 669) besser ein Zimmer nach hinten nehmen, vorne stört Hundegebell!
Wenn man morgen früh aufbrechen will, am besten noch abends Proviant einkaufen - das nächste Geschäft findet man  in Montemonaco.

2.Tag: Fiastra - Rifugio Città di Amandola
Eine lange Etappe für gut trainierte Wanderer: 7.15 Std. Gehzeit, 1300 Höhenmeter Anstieg. Man kann den Weg geringfügig abkürzen, wenn man im Rifugio in Garulla übernachtet (www.rifugiogarulla.it, Tel. 349 258 62 03), ich finde aber die Atmosphäre im Rifugio Citta di Amandola besonders schön. Die Hütte liegt nicht am markierten Fernwanderweg, ist aber mit Hilfe der Karte leicht zu finden (etwa eine Stunde hinter Pintura di Bolognano nicht dem markierten, links abzweigenden Weg nach Garulla folgen, sondern auf dem breiten Fahrweg bleiben und wenig später nach rechts auf die ansteigende, zum Rifugio ausgeschilderte Forststraße biegen.). Weitere Übernachtungsmöglichkeiten am Weg bieten sich theoretisch in Pintura di Bolognola (5.30 Std., 1150 m Anstieg). Die dortigen Hotels sind aber nur sehr unregelmäßig geöffnet.
Abkürzungsmöglichkeiten: Man kann von Pintura di Bolognola in etwa 30 Min. zum unterhalb gelegenen Bolognola absteigen, wo das Albergo Biancaneve normalerweise offen ist. Die Etappe des nächsten Tages wird dann aber sehr lang - bis Montemonaco gut 7 Std., 1000 m Anstieg. Oder man nimmt den Mittagsbus (werktags 12 Uhr) von Fiastra nach Bolognola oder Pintura und beginnt dort die Wanderung. In diesem Fall kann man gut bis Piedivalle wandern (3-4 Std.., 300 m Anstieg, Übernachtung im B & B Maria, Tel. 0736 859 113). Die folgende 3. Etappe verkürzt sich dann um gut eine Stunde.
Übernachtung: Rifugio Città di Amandola des italienischen Alpenvereins CAI, sehr einfache Unterkunft, aber wunderbar gelegen und sympathische Leitung. Unbedingt vorbestellen, die Wirte kommen bei Bedarf von Amandola herauf. Tel. 347 1921 635 (mobil). Nächste Unterkünfte gut eine Stunde weiter in Piedivalle (s.oben) oder etwas abseits vom Weg in Madonna dell'Ambro (die dortigen Hotels stehen auf der Nationalpark-Website unter "Montefortino").

3.Tag: Rifugio Città di Amandola - Montemonaco
Eine kürzere Tour durch Hügelland am Rand des Gebirges  (4.30 Std. 600 m Anstieg). Vom Rifugio aus zunächst nicht markiert, mit der Karte gelangt man problemlos nach Capovalle und trifft dort auf den Hauptweg. Hinter Isola di San Biagio zweigt man vom "Grande Anello" ab nach Montemonaco. Der nach Visso zweitgrößte Ort am Weg hat mehrere Hotels und Restaurants und bietet gute Einkaufsmöglichkeiten in Obst- und Lebensmittelgeschäften - auf den nächsten Etappen gibt es dazu keine Möglichkeit.
Von Wanderern sehr gelobt wurde das B & B Ca de la Rossa in Rubbiano, am Wanderweg eine gute Stunde vor Montemonaco (Tel. 333 841 2523).

Ab dem 4.Tag hat man mehr Variationsmöglichkeiten, da es am Weg mehr Unterkünfte gibt. Man kann nun in zweieinhalb oder dreieinhalb Tagen bis Visso wandern. Also entweder die längeren Touren:
4.Tag: Montemonaco - Forca di Presta (7.30 Std., 1300 m Anstieg). Übernachtung in der Berghütte Rifugio degli Alpini (Tel. 0736 809 278)
5.Tag: Forca di Presta - Campi (7 Std., 600 m Anstieg). In Campi Übernachtung in der Wanderherberge des Nationalparks (Tel. 339 451 31 89 oder 320 172 3752, info@lamulattiera.it)
6.Tag Campi - Visso (3.30 Std,, 450 m Anstieg). Die Halbtagestour erlaubt es noch, den Nachmittagsbus nach Rom zu erreichen (werktags 16.35 Uhr, Ankunft 20.15 Uhr) .

Oder einen Tag länger mit kürzeren Wanderungen:
4.Tag Montemonaco - Colle (gut 4 Std., 550 m Anstieg). In Colle Wanderherberge des Nationalparks,Tel. 0736 807 016, in dem kleinen Ort nicht ganz leicht zu finden: Das restaurierte Steinhaus steht an der (in Gehrichtung) entgegengesetzten Seite der Dorfpiazza, nur eine kleines Schild "Country House Sottovento" an der Tür weist darauf hin, dass man hier Unterkunft findet.
5.Tag Colle - Colle le Cese (5.30 Std., 900 m Anstieg). In Colle le Cese Wanderherberge des Nationalparks, Tel. 0736 808 198, rifugio@cimeazzurre.org. Etwas abseits des Wegs gibt es in der Nähe am Pass Forca Canapine mehrere Hotels und Berghütten, darunter das angenehme Rifugio Vittorio Ratti, Tel. 0743 823 012.
6.Tag Colle le Cese-Campi (5 Std., 450 m Anstieg), Übernachtung s.oben.
7.Tag Campi - Visso (3.30 Std,, 450 m Anstieg), s.oben

Start und Ziel in Norcia
Statt dem offiziellen Weg ab Visso zu folgen, kann man die Tour auch in Norcia beginnen. Die Variante ist sehr empfehlenswert, denn die hübsche Kleinstadt in schöner Lage lohnt unbedingt einen Besuch. Die erste Tagestour führt dann über den Pass Forca di Ancarano und Campi - wo man auf den Grande Anello dei Sibillini trifft - nach Visso (6 Std., 850 Höhenmeter Anstieg).  Ab hier geht es weiter wie oben beschrieben. Am 6. bzw. 7. Wandertag, auf der Strecke Colle le Cese-Campi, steigt man von der Forca di Giuda zurück nach Norcia ab - bis zur Forca d'Ancarano auf dem Weg 181. Der ebenfalls auf der Karte eingetragene "SI" (Sentiero Italia) existiert zwischen Grotta di Patino und Norcia nicht!

Ausstieg unterwegs
Wer nicht die gesamte Strecke gehen will, kann in folgenden Orten abbrechen:  Ab Amandola, Montefortino und Montemonaco (alle drei Orte etwas abseits der Hauptstrecke, aber gut zu Fuß erreichbar) fahren täglich zwei Busse nach Rom (ab Amandola 8 Uhr und 14.30, ab Montefortino und Montemonaco 10 bzw. 25 Min. später, Ankunft in Rom 12.20 und 18.35 Uhr, Auskunft Tel. 06 446 05 67). Von der Forca di Presta kann man in etwa zwei Stunden absteigen nach Trisungo (täglich 10.17 Uhr  Bus nach Rom) - der auf der Karte eingezeichnete Weg 104 ist allerdings nicht existent, vielleicht geht es besser auf Weg 103? Von Forca Canapine kann man versuchen, nach Norcia zu trampen - oder sich mit dem Taxi abholen lassen (Signor della Mora, Norcia, Tel. 0743 816 455 und mobil 338 747 1411).